Wir können nicht einfach einen Schalter umlegen und auf Achtsamkeit umschalten. „Achtsamkeit gibt es nicht auf Knopfdruck, sondern nur durch Üben“, sagt Yoga-Lehrerin und Achtsamkeitstrainerin Barbara Münzer. Du könntest zum Beispiel ein Dankbarkeits-Tagebuch führen und dich täglich an das Gute in deinem Leben erinnern, statt das Ungewisse zu fürchten. Ihr Text ist eine wunderbare Einladung, mehr Achtsamkeit in unseren Alltag einzuladen.
Wege zur Klarheit
Achtsamkeit ist der Weg, der in die Stille führt – und somit in die gewünschte Klarheit. So sagen es Achtsamkeitsübende aller Traditionen und auch die Wissenschaft, die dieses Phänomen mittlerweile genau untersucht hat. Präziser gesagt bringt uns Achtsamkeit in einen mentalen Zustand, in dem wir uns selbst und die Welt klar und voller Mitgefühl wahrnehmen.
Wie von einem Berggipfel aus. Unten im Tal ist das bunte Treiben, das ganze Leben mit seinen verschlungenen und manchmal dornenreichen Wegen. Wir wissen, wir sind mittendrin und dennoch wie auf einer Aussichtsplattform mit heilsamer Distanz zum Geschehen. Mit Ruhe und Abstand – das ist bekannt – lassen sich die Dinge gelassener wahr- und annehmen, aber auch die nächsten Schritte besser planen und verwirklichen.
Den Geist zur Ruhe bringen
Natürlich gibt es Achtsamkeit nicht auf Knopfdruck, sondern nur durch Üben. Der Geist muss sozusagen in die Schule gehen, um zu lernen, Gedanken und Gefühle die richtige Bedeutung zu geben und Kraft zu entwickeln. Ob wir auf unserem Übungsweg Yoga, Meditation, Achtsamkeits- oder Genusstraining den Vorzug geben, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Um das Richtige zu entdecken, braucht es manchmal ein wenig Geduld.
Die inneren Wogen glätten
Wenn sich schließlich die inneren Wogen ein wenig geglättet haben, zeigt sich eine weitere Wirkung der Achtsamkeit. Ganz intuitiv lässt sich dann erfahren, was kluge Menschen aller Religionen und Weisheitslehren seit über zwei Jahrtausenden beschreiben: Wer sich aus der Außenwelt zurückzieht und die Innenwelt ordnet, kommt an die Quelle des Lebens.
Was das bedeuten kann, zeigt ein Blick in die Klöster dieser Welt. Nonnen und Mönche üben ein Leben lang Achtsamkeit, natürlich mit einem höheren Ziel. Für uns Menschen von draußen kann manchmal schon ein nur kurzes Eintauchen in diese Welt erfahrbar machen, welche vertrauensvolle Gelassenheit, Dankbarkeit und Freude – bei aller Nähe zum Kummer dieser Welt – in diesem Leben möglich sind.
Schreib ein Dankbarkeits-Tagebuch
Wer sich selbst glücklich machen möchte, sollte nicht das Ungewisse fürchten, sondern sich an das Gute erinnern. Und das gibt es an jedem Tag. Nimm dir dafür einen kurzen Moment Zeit – vielleicht am Abend – und lass den Tag Revue passieren, mit dem Scheinwerfer auf die guten Momente und schreibe es auf: Was hat mich berührt, war schön, heiter, wohltuend oder hat einfach nur gut geschmeckt?

Wenn du solche Erfahrungen täglich achtsam erspürst und kurz zu Papier bringst, wird sich dein Glückskonto füllen. Es geht dabei um die kleinen Dinge: eine frische Orange, die du genießt, ein freundliches Lächeln auf der Straße, der schöne Himmel auf dem Weg zur Arbeit, ein angenehmes Gespräch oder warmes Wasser auf der Haut beim Duschen. Was immer dich gerade dankbar macht.

Text: Barbara Münzer; Foto: Jana Stein


