Du stehst auf und schon geht das Kopfkino los? So viel zu tun! Was zuerst und was zuletzt? Allein beim Gedanken an deine To-do-Liste möchtest du am liebsten wieder ins Bett kriechen. Mein Tipp: Versuch es mal mit dem Morgenseiten-Schreiben. Die Morning Pages sind ein echtes Fitnessprogramm für den Geist. Du bringst dich und deine Kreativität in Schwung. Der Plan ist einfach: Du schreibst 30 Tage lang, jeden Morgen drei Seiten – unbedingt mit der Hand. Und: Nur kein Ehrgeiz, ein Notizheft im DIN A 5-Format reicht völlig!
Aufstehen, schreiben und Gedanken sortieren
Ich halte mich an die Empfehlung von Julia Cameron, die als Erfinderin der Morning Pages gilt, und schreibe direkt nach dem Aufstehen. So gelingt es mir, mich zu Beginn des Tages zu sortieren. Außerdem bin ich dann noch nah an meiner Traumerinnerung. Häufig sind es nur Traumsequenzen, die ich spontan zu Papier bringe. Diese sind jedoch meist sehr aufschlussreich und wären ohne das Schreiben verloren gegangen.
Morgendliche Psychohygiene
Ganz im Sinne der Morgenseiten-Philosophie von Julia Cameron brauche ich weder das Geschriebene noch meine Träume zu analysieren oder zu interpretieren; während des Schreibens entschlüsselt sich so manche Traumbotschaft von allein. So kann ich belastende Gefühle loslassen oder transformieren und nehme sie nicht mit in den Tag. Für mich sind die Morning Pages ein Ritual zur morgendlichen Psychohygiene.
Dranbleiben und in den Flow kommen
Natürlich schreibe ich nicht jeden Morgen mit derselben Energie und Entschlossenheit. Mein Credo lautet jedoch: Dranbleiben! Denn ich verstehe regelmäßiges Schreiben (nicht nur Frühmorgens) als Übung in Selbstfürsorge, im Sinne eines geistigen und emotionalen Fitnesstrainings, bei dem wir unsere Kreativität täglich neu beleben. Wenn wir mit unserer Schöpferkraft verbunden sind, fühlen wir uns stärker und belastbarer. Das ist meine Erfahrung und die Idee der ‚Lebendigen Aromakunde‘.
30-Tage am Stück als Einstieg
Was das Morgenseiten-Schreiben bewirken kann, erklärt die Bestsellerautorin und Kreativtrainerin Julia Cameron in ihrem Buch ‚Der Weg des Künstlers‘, einem 12-Wochen-Programm, das sie als spirituellen Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität versteht. Es ist bereits im Jahr 1992 erschienen, jedoch hochaktuell. Das angestrebte Ziel dieses Pfades ist es, sich von Ängsten, Schuldgefühlen oder einem negativen Selbstbild zu befreien, damit unsere Kreativität frei fließen kann. Die Morning Pages sind Bestandteil des Programms, aber auch unabhängig davon eine gute Methode, um das Schreiben als Routine in den Alltag zu integrieren. Wer es noch einfacher mag, startet vielleicht mit dem 5-Minuten-Schreiben.
Absichtslos schreiben!
Entscheidend ist in jedem Fall das freie Schreiben! Das heißt: Du folgst keinen starren Regeln, sondern schreibst, möglichst ohne nachzudenken und abzusetzen. Wie beim Joggen kommst du irgendwann in den Flow. Nur ziehst du dir nach dem Aufstehen nicht die Laufschuhe an, sondern greifst nach deiner Kladde und einem Stift und spürst, wie sich der Weg unter die Füße schiebt.
Beim Morgenseiten-Schreiben geht es allerdings nicht darum, etwas zu erreichen. So gesehen ist es keine sportliche Disziplin, sondern eine Art Meditation. Du kannst es als einen gemächlichen Morgenspaziergang betrachten. Statt zu rennen, schlenderst du drauflos und schaust, wo du am Ende der drei Seiten landest. So als hättest du ganz entspannt eine Runde ums Haus gedreht, um erfrischt und gut gelaunt in den Tag zu starten.

„Die Morgenseiten verlangen von Ihnen lediglich, Ihre Hand über die Seiten zu bewegen und niederzuschreiben, was immer Ihnen in den Sinn kommt. Nichts ist zu unbedeutend, zu albern, zu dumm oder zu skurril, um aufgeschrieben zu werden.“ (Julia Cameron)
Was sind deine Erfahrungen?
Schreibst du Morgenseiten oder hast gerade damit angefangen? Wenn du magst, teile gerne deine Morning Pages Erfahrungen mit mir oder auf meinem Blog! Oder tauche in einem meiner Workshops in die Idee des freien Schreibens mit duftigen Impulsen und Elementen der Biografiearbeit ein. Schreib gern an: info@schreib-visionen.de
Mehr zum Buch liest du hier in einem Gastbeitrag: Der Weg des Künstlers
Headerfoto: Von WHstudio Leushin N/Adobe Stock
