Klarheit im geschützten Rahmen:
Vielleicht kennst du die Parabel von den drei blinden Männern, die zum ersten Mal einem Elefanten begegnen. Sie ist in unterschiedlichen Versionen überliefert. Im buddhistischen Gleichnis fragt der Raja jeden Einzelnen nach seiner Erfahrung: „Sag mir, was ist denn ein Elefant?“ Jeder der Männer beschreibt ihm den Elefanten unterschiedlich, als Säule oder gar als eine Bürste. Die Männer sind uneinig. Kein Wunder, denn sie haben jeweils nur ein einziges Körperteil berührt: den Kopf, das Ohr, ein Bein oder den Schwanz. Die Männer beginnen zu streiten.
Buddha erklärt, dass es sinnlos ist, zu streiten. Jeder habe seine Wahrheit formuliert, den Teil des Ganzen, den er wahrgenommen hat. Würden sie ihre Vorstellungen zusammenfügen, kämen sie der Realität am nächsten.
Der Blick vom Einzelnen zum Ganzen
Im Rahmen einer Systemaufstellung im Einzelsetting gewinnen Sie den Blick auf das Ganze, indem wir die individuellen Betrachtungen (Perspektiven) aller Beteiligten einbeziehen. Das gelingt auch im Einzelsetting mit Hilfe von Figuren oder Bodenankern und im einfühlsamen Dialog.
Dein Standing im Business und im Leben
Die Systemaufstellung macht sich die Tatsache zunutze, dass alle Beteiligten und Zugehörigen eines Systems (der Familie, eines Teams, Unternehmens oder einer Organisation) in ständiger Wechselwirkung zueinanderstehen. Diese Dynamik kann förderlich sein, aber auch bremsen und entmutigen. In der Aufstellung können wir diese Verbindung transparent und emotional erfahrbar machen. So finden wir heraus:
- 1. Wer oder was wirkt auf das System – welche Dynamiken wirken?
- 2. Wie kannst du eine belastende Dynamik verändern?
- 3. Wie findest du einen angemessenen Platz in dem System?
- 4. Wo und wie kannst du gut für dich stehen?
Vertrau deiner emotionalen Kompetenz
Jeder unserer Reaktionen oder Entscheidungen liegt ein Gefühl zugrunde. Daher legen wir in der Systemaufstellung den Fokus nicht in erster Linie auf Daten und Fakten, sondern insbesondere auf die weichen Faktoren: auf ‚gespeicherte‘ Emotionen und die spontanen Empfindungen innerhalb des Prozesses. Diese werden oft nicht verbal, sondern durch Körpersprache ausgedrückt. Der begleitende, wertfreie Dialog zwischen Klient:in und Moderator:in/Aufsteller:in ist wichtig, um Wahrnehmungen zu benennen und Gefühlen auf die Spur zu kommen.
Schritt für Schritt: anerkennen, was ist!
Schritt 1: die Formulierung deines Anliegens in Form einer genauen Fragestellung. Falls du diese noch nicht parat hast, kann ich dir im Rahmen meines kreativen Coachings Impulse für das freie Schreiben anbieten. Du bringst spontan und ungehemmt deine Gedanken und Gefühle zu Papier. So kommst du mit deinem ‚inneren System‘ in Kontakt und filterst intuitiv das für den Moment Wesentliche: deinen Wunsch oder deine Sehnsucht. Falls du magst, kann dir ein ätherisches Öl dabei helfen.
Schritt 2: Wir klären gemeinsam, wer oder was mit der Frage im Zusammenhang steht. Wer oder was spielt eine Rolle? Wer oder was gehört auf die Bühne? Wir beginnen immer mit dir als wichtigste ‚Figur‘. Du stellst zunächst dich und dann alle relevanten Einflussfaktoren auf, bis sich ein Bild ergibt, das deine aktuelle Situation darstellt, ausgehend von deiner Wahrnehmung oder Einschätzung. So kannst du zunächst als neutrale Betrachterin/neutraler Betrachter auf den Ist-Zustand schauen. Oft ergibt sich bereits dadurch ein erster Aha-Effekt, eine spontane erhellende und ermutigende Erkenntnis.
Schritt 3: Du bleibst zunächst in der Beobachterrolle, während ich in deine Position gehe und später auch in die Rollen anderer ‚Mitwirkender‘. Der nun folgende Prozess wird oft als phänomenologisch bezeichnet, denn es gelingt tatsächlich, dass ich mich in deine Position einfühlen kann und Worte dafür finde, so wie es viele aus der Aufstellungsarbeit mit Protagonisten kennen. Wie immer wir es beschreiben, ob als Kommunikation über ein wissendes Feld oder mit Hilfe universeller Intelligenz, Fakt ist, es funktioniert! Ich verstehe mich in diesem Phänomen als eine Art ‚Übersetzerin‘, nicht als Ratgeberin oder gar Therapeutin.
„Eine ehrliche und achtsame Systemaufstellung ist nie manipulativ und stets ergebnisoffen. Nur so können wir echte Sehnsüchte und schlummernde Ressourcen erkennen und aktivieren!“
Schritt 4: Du gehst selbst in deine Rolle und möglicherweise in die anderer, um die gemeinsamen Erkenntnisse zu überprüfen. Du darfst sagen, was dir auf dem Herzen liegt oder auf der Seele brennt. Und wir stellen so lange auf und um, bis es sich für dich gut und stimmig anfühlt, ohne über deine Grenzen zu gehen.
Dein Körper zeigt oft als erstes eine Reaktion darauf, ob es ‚so stehenbleiben‘ darf, du eine `gute Lösung‘ für dich gefunden hast: Wenn du plötzlich geradestehst, mit beiden Beinen auf dem Boden, deine Schultern gelöst sind, dein Gesicht entspannt ist oder dein Blick entschlossen auf ein Ziel gerichtet ist.
Deiner Wahrnehmung Raum geben
Indem wir deiner Wahrnehmung Raum geben – wie immer sie auch sein mag – erkennst du die Einflüsse anderer Akteure auf deine Vorstellungen und Handlungen, die deine Haltung und deine Entscheidungen bestimmen. Du erkennst die Rolle und dein ‚Wirken‘ im Rahmen der Fragestellung und bekommst die Chance, dies zu verändern. Du kannst dich buchstäblich neu aufstellen und einen Richtungswechsel vornehmen. Vielleicht willst du jetzt Verantwortung ab- oder zurückgeben, vielleicht aber auch endlich übernehmen. Du kannst einen Rucksack alter Emotionen loswerden oder Vorstellungen von dir und dem System, in dem du lebst oder arbeitest, erneuern.
„Um klar zu sehen, hilft oft schon ein Wechsel der Blickrichtung.“ Saint-Exupéry
Den Elefanten reiten!
Klarheit zu schaffen, um machbare Perspektiven zu finden, ist der Gewinn jeder Systemaufstellung. Sie stärkt das Vertrauen in deine Wahrnehmung und deine Fähigkeit, auf jede Frage, die das Leben dir stellt, selbst eine Antwort zu finden und deine Lebensumstände zu gestalten – zu deinem eigenen Wohl und zum Wohle aller.
Du erkennst den ganzen Elefanten, der plötzlich kleiner und überschaubarer wird. Und vielleicht traust du dich sogar, ihn zu reiten – in neue, ungeahnte Abenteuer. Vielleicht magst du am Ende an einem ätherischen Öl schnuppern, um deine Erfahrung in deinem limbischen System zu verankern. So ein Duft kann auch ein himmlischer Begleiter werden.
Noch wichtig: Meine Art der kreativen Systemaufstellung ist kein Therapieersatz, sondern ein Weg zur Selbsterfahrung und Neuorientierung.


