Immer wieder gern stelle ich den fantastischen Wortfinder-Kalender vor. Diesmal besonders gern, denn diesmal war ich Teil der Jury für die Textauswahl des Kalenders 2024 mit dem Titel ‚Der Wind bläst auch ins Glück‘. Ich durfte miterleben, wie er entsteht und welche Vielzahl an einzigartigen Texten eingegangen ist.
Vor allem aber war ich davon beeindruckt, mit welcher Energie und mit wieviel Herzblut Sabine Feldwieser als Initiatorin und Verantwortliche dieses großartige Projekt Wirklichkeit werden lässt.
Bielefelder Kulturpreis für Sabine Feldwieser
Ich freue mich daher sehr für Sabine, die in diesem Jahr mit dem ‚Bielefelder Kulturpreis‘ ausgezeichnet wurde. Die Stadt Bielefeld würdigt damit ihr Engagement für Inklusion und den Mehrwert daraus – für Menschen mit geistigen und psychischen Beeinträchtigungen als auch für die Kunst- und Kulturszene der Stadt.

Besondere Anerkennung erhielt die Gründerin des gemeinnützigen Vereins ‚Die Wortfinder e. V.‘ für ihre Förderung der literarischen Ausdrucksmöglichkeiten und des kreativen Schreibens von Menschen in besonderen Lebenslagen. In der Zeit der Pandemie, in den Jahren 2019 bis 2022 realisierte sie das SchreibKunst-Projekt ‚Heraus mit den Sprachen!‘. Daraus entstand das gleichnamige Buch.
Gefühlsachterbahn & Gedankenkarussell
In diesem Jahr ist es Sabine Feldwieser erneut gelungen, einen ganz besonderen Literatur-Kalender zu verwirklichen. Er ist wie immer das Ergebnis und der Output des Literaturwettbewerbs, den ‚Die Wortfinder‘ seit 2011 unter ihrer Federführung veranstalten. Auch dabei ist es das Ziel, eine gleichberechtigte Teilhabe aller am kulturellen Leben möglich zu machen. Der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten bei Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung; in diesem Jahr wurde die Zielgruppe allerdings erweitert. So konnten erstmals auch Menschen mit einer demenziellen Erkrankung daran teilnehmen und zu dem Thema ‚Gefühlsachterbahn & Gedankenkarussell – Über das Fühlen und über das Denken‘ schreiben.
Ein bunter Mix zum Staunen und Nachdenken
Mehr als 750 Autor:innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligten sich und eine 5-köpfige fachkundige Jury wählte aus den rund 1250 eingereichten Beiträgen die Preisträger:innen aus. Herausgekommen ist eine bunte Mischung, die zum Nachdenken und Staunen bringt, die erheitert und erfreut. Egal ob philosophische Betrachtungen über das Für und Wider von Sehnsucht, experimentelle, zwischen Traum und Realität angesiedelte Sprachspielereien, Eifersuchts-Rap oder poetische Verse über das Hoffnung gebende Vögelchen Neffoh – von allem ist etwas dabei. Man erfährt, wozu Zinapsen gut sind, bekommt erklärt, was ein Denkanstoß ist und lernt verschiedene Modelle von Gedankenkarussellen kennen.
Die ganze Bandbreite an Gefühlen beim Fußball wird offengelegt, der Stolz des Grünkohlkönigs kund¬getan und man kann von Gefühlssuppe und Gedenkschokolade kosten.
Kurzkrimis und Gedankenanstöße
Im Kurzkrimi helfen Sherlock Hase und Dr. Wutzen dem gefühllosen Oskar, im Märchen finden Prinzessin Froh¬line und Prinz Wutbert zueinander und in der Weihnachtsgeschichte wird deutlich, dass die Heiligen 3 Könige mit ihren Geschenken heutzutage nicht mehr punkten könnten. Künstliche Intelligenz und deren Grenzen – Computer denken letztlich auch nur wie Waschmaschinen – sind ebenso Thema, wie der Umgang mit Behinderung und Tod oder das glücksfördernde Potenzial der Hühnerhaltung. Last but not least wird daran erinnert, dass man beim Denken freundlich sein muss und dass Gefühle auch ihren eigenen Kopf haben.
Alle Infos auf: www.diewortfinder.com.
Fotos: Patrick Pollmeier


