Ihr kennt ihn schon, oder? Ich habe Henri Hirt und sein erstes Buch ‚Herz ist eine Sprache, die wir verstehen‘ bereits vorgestellt. Nun ist sein zweites Buch mit dem Titel ‚Schreiben ist ein gutes Gefühl‘ erschienen. Eine Aussage, die ich sofort unterschreibe! Seine Eltern Kirsten Ehrhardt und Norbert Hirt haben das Talent ihres Sohnes mit Trisomie 21 und seinen Traum, Schriftsteller zu werden, von Anfang an unterstützt und finden das vollkommen normal. Ich durfte ihnen ein paar Fragen stellen.

Auch in Henri Hirts neuem Buch geht es um echte Gefühle, Gedanken und Geschichten. Der Titel passt wunderbar zu der Idee von Schreib.Visionen: gute Gefühle zu entwickeln und zu Papier zu bringen, ohne das wahre Leben zu beschönigen. So, wie Henri es tut. Und ich vermute, diese Echtheit ist das, was die Menschen auch an seinen Texten lieben. Im Interview erfahrt ihr etwas über die Menschen, die dem 23-jährigen Mann mit Down-Syndrom den Rücken stärken.

Beim Bauch meiner Mutter

Gabriele: Kirsten, Henris neuen Poesien sprechen erneut aus seinem Herz und seinem Leben, in dichterischer Freiheit und im Typischen Henri-Hirt-Stil. Seine Eltern, vor allem du als seine Mutter, spielst auch im zweiten Band eine große Rolle. Henri findet immer wieder neue Worte für seine Liebe, seine Wertschätzung und seinen Respekt für euch, insbesondere unter der Überschrift ‚Beim Bauch meiner Mutter‘.
Mit seinem Gedicht ‚Mama‘ hat Henri es in diesem Jahr auch auf die Ehrenliste des Literaturwettbewerbs des Vereins Ohrenschmaus in Wien geschafft – als einziger deutscher Dichter. Wer Henri auf Instagram folgt, hat hier gelesen, dass er sehr stolz auf seine Urkunde ist. Ich denke, ihr seid es ebenfalls.

Kirsten: Ja, das ist ein sehr schönes Gedicht. Teile daraus stammen aus einem Muttertags-Gedicht. Henri ist eben doch auch ein „Mama-Kind“, ein großes.

Gabriele: Kirsten, du bist nicht einfach nur Mama und Muse. Du und Norbert habt Henri von Anfang an gemeinsam unterstützt und ihn in seinem Traum bestärkt, Schriftsteller zu werden.

Kirsten: Wir haben vor allem seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden – als Beruf, nicht als Hobby – ernst genommen. Er hat nach seiner Schulzeit auch andere Dinge gearbeitet, aber er wollte vor allem schreiben. Und dann haben wir gesagt: Ja, warum nicht? Versuch es!
Gabriele: Wie geht es euch, wenn ihr seine Gedichte, Gedanken und Geschichten liest? Erfahrt ihr mehr über ihn, was ihr ohne seine Texte vielleicht nicht erfahren hättet?

Kirsten: Nein, eigentlich nicht. Wir wissen, dass er viele Seiten und Facetten hat: von lustig bis ernst. Er kann zu Party-Schlagern tanzen und vor Gräbern knien. Und er hat einen speziellen Humor. Das ist vielleicht eine Art „Familien-Humor“.
Gabriele: Aus den zahlreichen Gesprächen, die ich in vielen Jahren mit Eltern und Angehörigen geführt habe, weiß ich, dass längst nicht alle Menschen mit Trisomie 21 schreiben können. Henri kann es gut und hat zudem die Gabe, sich poetisch auszudrücken. Wart ihr von seiner Entwicklung und seinem Talent überrascht?

Norbert: Ja, ein bisschen überrascht war ich schon. Ich bin Ingenieur und nicht so eng an der Literatur dran. Aber uns war in seiner inklusiven Schulzeit immer wichtig, dass er wirklich gut lesen und schreiben lernt. Damit er entscheiden kann, was ihn interessiert, damit er sich auch lesend neue Welten erschließen kann. Hat ganz gut funktioniert, oder?

Gabriele: Liegt die Kunst des Schreibens und die Liebe zur Poesie vielleicht in der Familie?

Kirsten und Norbert: (lachen) Nein, ehrlicherweise nicht.

Gabriele: Ich gehe davon aus, dass ihr Henri auf seinen Lesereisen begleitet. Wie es in den sozialen Medien zu sehen ist, seid ihr viel unterwegs. Ohne eure Unterstützung wäre das wahrscheinlich nicht möglich, oder?

Kirsten und Norbert: Nein, natürlich nicht. Wir organisieren die Reisen, wir schreiben Rechnungen, wir helfen bei Absprachen und bei Instagram. Wir finden das völlig normal. Ja, er braucht vielleicht mehr Unterstützung als andere, aber viele große Schriftsteller hatten viele Helfer*innen: Ehefrauen, Sekretärinnen, Fahrer, Agenten, Lektoren u.a. Wir sind irgendwie alles so ein bisschen.

Gabriele: Das sehe ich auch so! Unterstützung und Menschen, die an uns glauben, brauchen wir alle. Vielen Dank euch beiden!

@Henri: Ganz viel Erfolg weiterhin!

Henri Hirt liest in seinem Buch 'Schreiben ist ein gutes Gefühl'
Henri Hirt liest in seinem Buch

Wer neugierig geworden ist, hört mal rein: Ohrenschmaus-Gewinnertexte2026. Und kauft am besten das neue Buch: Schreiben ist ein gutes Gefühl. Meine Lieblingszeilen aus dem Gedicht:

„Du bist eine Frau, weißt deine Rechte genau.
Du hast dein Leben genossen.
Rosa Luxemburg wurde erschossen.“ Henri Hirt

 

Fotos privat

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