Inspiration: Ingwerwärme – so kann es werden!

Es ist kalt geworden. Die Stimmung im Land ist frostig, das Wort Pandemie allgegenwärtig. Es hat einen düsteren Klang. Wir stehen vor schweren Entscheidungen, die uns möglicherweise noch mehr von Mit-Menschen entfernen. Wie und wo können wir mitgehen – und wie weit? Und wie gelingt es uns, in dieser toternsten Lage gelassen oder gar heiter zu bleiben? Während mich diese Fragen bewegen, schwingt sich ein alter Vertrauter auf meinen Schreibtisch – der Ingwer.

Ich will ja nicht stören

Ich liebe seine Heiterkeit und Wärme, vor allem, wenn sich eine innere Kälte in mir ausbreitet, für die eine Wärmflasche nicht ausreicht. Ich hatte ihn gar nicht auf dem Schirm. Plötzlich und unerwartet wedelt er munter vor meiner Nase: „Ich will gar nicht stören“, sagt er. „Wollte nur kurz fragen, wie es dir geht?“ Oh Gott, denke ich. Jetzt bloß keine schweren Gespräche. Ich will arbeiten.

„Verstehe“, sagt er. „Du kannst natürlich bis zum ersten Advent warten. Vorher geht das ja mit der Besinnung nicht los.“ Klugschnacker, denke ich, und will ihn beiseite schieben. Er dreht einen kleinen Salto und landet mit entschlossener Leichtigkeit wieder auf meiner Lapptopkante. „Und … was denkst du?“, will er wissen.

Sein Duft lässt mich auftauen

Ich gebe nach. Sein Duft lässt mich auftauen. Er hat ja Recht. „Sie will mir nicht aus dem Sinn“, erzähle ich ihm. „eine Frau mittleren Alters, die vor ein paar Tagen in einem meiner letzten Live-Workshops weinend die Fassung verlor. (Jetzt schreiben wir wieder online!). Alle in der kleinen Runde fühlten sich ihr eng verbunden, auch wenn sie grundsätzlich vielleicht eine ganz andere Haltung hatten.“ Der Ingwer nickt und lauscht.

Und ich erinnere mich. Die Teilnehmerin war so verzweifelt, weil sie von ihrer Familie massiv bedrängt wird, sich endlich impfen zu lassen. Nachdem wir ihre Krankheits- bzw. Gesundheitsgeschichte gehört hatten, waren wir zutiefst betroffen und auch demütig. So schnell fällen wir Menschen ein Urteil. Oder?

Es war für uns alle eine Übung im Mit-Fühlen und die Einladung, unseren eigenen Reifeprozess fortzusetzen – unser eigenes Werden jenseits von richtig und falsch.

Uns war bewusst: Es geht um Endlichkeit – um Leben und Tod! Weltuntergangsszenarien und Schuldzuweisungen machen Angst und helfen uns nicht. Sie teilen und spalten. Statt zu debattieren, könnten wir uns und andere fragen: Wie fühlts du dich? Was macht Dir Angst? Und letztlich die große Frage wagen: Hast du Angst vor dem Sterben? Vielleicht finden wir dann gemeinsam friedliche Lösungen, die niemanden ausgrenzen, sondern Verzagte mitnehmen.

Von Innen aufgeräumt

Wenn wir damit bei uns selbst beginnen, ist das ein Weg, auf dem wir Begleiter brauchen, die diesen Fragen mit Mut und Gelassenheit begegnen, mit tiefem Vertrauen und Lebenserfahrung – mit Heiterkeit eben. Solche Räume zu schaffen, ist jetzt unser Auftrag.

Ich rede gern auch mit meiner Lieblingsschwester, einer Klosterfrau in der Abtei Varensell, darüber. Am Ende sind wir beide aufgeräumt und dankbar, uns erneut bestärkt zu haben. Wo wir doch im äußeren Leben ganz andere Wege gehen, anderen Regeln und Berufungen folgen.

Keine Ahnung wie, aber es wird!

„Ich habe keine Ahnung, wie es sein wird. Sicherlich anders als wir es uns denken, aber es wird … auf jeden Fall himmlisch“, sagt sie stets zuversichtlich lächelnd, irgendwie vergnügt. Ich glaube, sie hat den Ingwer im Blut. Denn das ist auch seine Botschaft: Das Sterben ist Teil unserer menschlichen Entwicklung, womöglich der wichtigste. Nicht planbar, nicht kontrollierbar, nicht berechenbar … und genau das müssen und können wir aushalten. Diese Fähigkeit haben wir, ob wir es nun glauben oder nicht.

Zingiber officinalis, das ätherische Öl aus den Wurzeln der Ingwerpflanze, kann uns helfen, alte Gewohnheiten zu verlassen und zu erkennen, dass die Welt aus vielen Wirklichkeiten besteht. Wir vergleichen und streben nicht mehr im Äußeren, sondern nutzen die Chance, unsere Innenräume neu wahrnehmen und zu gestalten.

Die Pandemie zeigt uns, dass es Zeit ist, uns von alten Lebenskonzepten zu verabschieden und uns Fragen zu stellen, die unbequem und schmerzlich seien können. Die uns aus unserer Komfortzone herauswinken. Mit dem Duft in der Nase werde auch ich wieder gelassener: Wir werden Lösungen finden. Und: Wie immer wir uns entscheiden, es bleibt unsere eigene Verantwortung. Mein duftiger Freund lässt grüßen!

Ein Impro-Text mit Ingwer

Diesem Schreibimpuls widmete sich die Teilnehmerin eines Workshops, mit dem Duft des Ingwers in der Nase, ohne seine Wirkung zu kennen. Es ist für mich immer wieder faszinierend, dass wir die Botschaften der Flaschengeister intuitiv zu Papier bringen können und uns so mit unserer eigenen Wahrheit verbinden:

Wie schaffst Du es, die Endlichkeit
mit Humor zu nehmen?

Der Ingwer antwortet: „Vertraue auf dich und deine Fähigkeit, trotz aller Schwere das Leben mit Humor zu nehmen, wie es gerade ist. Das ist eine wunderbare Ressource, auch dann, wenn es einmal Galgenhumor ist. Die Endlichkeit mit Humor zu nehmen heißt, nach vorne zu blicken, mit Freude und positiven Gedanken und im Vertrauen darauf, dass es gut wird.

Und ehrlich gesagt, wenn du die Endlichkeit des menschlichen Daseins meinst: Weißt du – ich gehe davon aus, dass es danach etwas wunderschönes Neues geben wird. Vielleicht … oder nein, ganz bestimmt: Das Paradies!

Endlichkeit heißt doch nur, etwas Neues beginnt. Und so, wie ein Samenkorn, wächst etwas Neues nur dann, wenn das Samenkorn seine Form aufgibt, verliert, um etwas Neues wachsen zu lassen. Nimm die Endlichkeit als Neubeginn – mit Humor und Neugier auf das, was kommen wird. Es wird gut werden!

Textimprovisation: Anja Klostermann  

 

Foto: lesterman / Adobe Stock 

Ich kann auch anders!

Sichtbar sein, mit all unseren Facetten. Das war ein Thema des ersten Workshops ‚Chapeau! Das ist mein Leben‘ – eine kreative und freie Art der Biografiearbeit, bei der sich die Teilnehmer*innen von eigenen Bildern und anderen ‚Ankern‘ aus ihrem Leben inspirieren lassen. Und in dem wir uns die Freiheit nehmen, spontanen Impulsen zu folgen. Getreu der Devise: Freiheit heißt: Ich darf es anders machen. „Ich kann auch anders!“ weiterlesen

Inspiration: Fünf-Minuten-Texte

Automatisch schreiben, wie geht das?

Diese Frage stellen sich viele Teilnehmer*innen im Workshop, bevor sie beherzt loslegen und dann erfreut feststellen: Yippie, ich kann schreiben! Wir starten stets mit einem 5-Minuten-Warmup: Du schreibst einfach drauflos, ohne nachzudenken und abzusetzen – etwa fünf Minuten lang.

Der spontan geschriebene Text ist relevant für die Reflexion. Daraus generieren wir den weiteren Schreibimpuls. Solche Improvisationen sind echte Rohdiamanten, die wir durch das Schreiben per Hand bergen. Indem wir die linke und rechte Gehirnhälfte miteinander verbinden, fließt unsere Kreativität ‚automatisch‘.

Nichtwissen

Das ist eine ganz andere Nummer. Da stockt mir der Atem.
Mir fehlen die Worte.
Wortlos sein. Ohne Worte.
Mal ohne Worte sein.
Frei von  Gedanken.
Gedanken frei. Nur sein.
Kommt von dort das Wissen?
Ein Wissen aus dem Sein heraus. Im Nichtwissen sein.
© Anna-Margaretha Amedick

Willkommen

Oh wie schön. Es geht los, der Füller darf wieder über das Papier gleiten. Gaby hat den Start eröffnet. Mich willkommen geheißen mit Tee, Leckereien und einer Schreib-Rosen-Serviette. Meine eigene Zeit, die Buchstaben aus der Feder fließen zu lassen. Welch ein Glück, diese Möglichkeit zu haben, sie mit gleichgesinnten Schreiberinnen zu teilen. Mal sehen, was heute so auf das Papier in die Linien ohne Linien möchte.
© Eva Hoffmann

Sehnsucht

Wie will ich sein? Wo will ich hin?
Am Strand entlang den Wind im Haar,
das Leben ist so wunderbar.
Ach liebe Ostsee viel zu lang,
bin ich dir ferngeblieben.
Ein Ritual, einmal im Jahr, mit meinen Lieben.
Du fehlst mir, diese Sehnsucht.
Ich kann es nicht erklären.
Ich fühl mich frei bei dir.
Der Rosenduft, das Wellenrauschen und zwischendurch ein Möwenschrei.
Das alles macht mich friedlich
und friedvoll will ich mit mir sein. (anonym)

Frauen. Geschichten. Düfte.

So. Da bin ich. Hier ist Ruhe, hier ist Fließen, hier ist Schönes. Hier kann ich mich fallenlassen in ein langsames Schwingen. Warm, gemütlich, versorgt. Trost ist hier auch. Düfte trösten. Beruhigen den Geist, der sich mit Sorgen beschäftigt hatte. Warmer Tee. Schreibende Frauen. Was brauche ich mehr? Ein- und ausatmen. Unspektakulär. Nichts müssen, nichts Tolles leisten. Das ist heute sehr im Vordergrund. Ich muss nichts leisten, auch keinen tollen Text. Nichts Kluges. Das schlimmste Problem, das ich hier grade habe: eine schmierende Kugelschreibermine. Ansonsten bin ich neugierig auf: Frauen, Geschichten, Düfte. © Bettina van Amerongen

Orientierung im Freiraum

„Es geht los, der Füller darf wieder über das Papier gleiten. Gaby hat den Start eröffnet. Mich willkommen geheißen mit Tee, Leckereien und einer Schreib-Rosen-Serviette. Meine eigene Zeit, die Buchstaben aus der Feder fließen zu lassen. Welch ein Glück, diese Möglichkeit zu haben, sie mit gleichgesinnten Schreiberinnen zu teilen. Mal sehen, was heute so auf das Papier in die Linien ohne Linien möchte. Zarte Punkte deuten die Linien an, geben Orientierung und gleichzeitig Freiraum. So mag ich es auch außerhalb dieses Heftes gerne leben. Frei in der Orientierung und orientiert in der Freiheit, geht doch.“ © Eva Hoffmann

Tiefenentspannt

„Einatmen – ausatmen, dazwischen die kleine Pause erspüren. Gelassenheit, es ist Zeit für Gelassenheit. Ich habe mir die Zeit genommen und bin darin herumgeschwommen. Nachspüren, wie der Tag war … Kraniche falten statt Morgenseiten schreiben – auch schön! Die Ruhe genießen, den Sonnenschein … dann in die Woche starten, auch die Telefonate mit Bedacht führen und immer mal wieder innehalten, das gibt Halt. Und Zeit, sich zu freuen! Wenn etwas zwackt, dann auch dahin spüren, doch nichts festhalten, alles ziehen lassen, wie Wolken, die vorbeiziehen.“ © Jutta Killian

Eine lange Weile verweilen

„Ich setze mich auf den freien Stuhl, lege den Schlüssel auf den Tisch und schließe für einen Moment die Augen. Und nun ist da nur noch ein Wunsch: In Ruhe ankommen, mir Zeit nehmen für mich und den Atem; den Atem, der länger wird, weil zwischen den Zügen die Weile liegt, die lange Weile in zwei Worten. Eine lange Weile: verweilen, hinschauen, sehen, spüren, atmen. Nichts als ver-weilen.
Verweilen und damit die Sekunde dehnen, so als ob sie aus der Zeit fiele, so als könne aus einer Sekunde ein Leben werden.
Verweilen und damit die Sekunde aus der Hast nehmen, so als ob man selbst aus der Zeit gefallen wäre, so als wäre nichts mehr als das, was gerade ist.
Und vielleicht ist es das auch; im Hintergrund das Lied der Vögel, die vom Frühling singen, unterbrochen von einigen Autos, die so wie ich eben noch durch die Zeit eilen, als gäbe es keine Sekunde, die man aus der Zeit nehmen könnte.
Ich beginne zu lächeln und spüre meinen Bauch, der sich gelassen hebt und senkt. Eile wird zur Weile. Was ich nach diesem Tag tue: In Ruhe ankommen, mir Zeit nehmen für mich und den Atem. Ich falle aus der Zeit für die Zeit, die gerade ist.“ © Kerstin Schwert

Türkis

Schreiben, schreiben, schreiben, was ist da? Welchen Faden greife ich raus aus dem inneren Fadenknäuel?
Ist es ein roter Faden? Ach nein, der ist so wichtig, so seriös. Was bietet sich noch? Ach, nehme ich doch den türkisen Faden aus dem Knäuel. Allein die Farbe anzuschauen ist erfüllend und schon entstehen Bilder von Weite, Meer und ein sättigendes, beruhigendes Türkis. Ich kann gar nicht mehr wegsehen und ich möchte es auch nicht. Einfach in der Ruhe und Kraft dieser Farbe versinken und auftanken. Abkühlen und klar werden. Wieder auftauchen und sehen, ich bin bei Gaby und neben mir steht leckerer Tee. Trinken. Ankommen. © Eva Hoffmann

5 Tipps zum 5-Minuten-Schreiben

  • Schnapp dir Stift und Papier, denn du schreibst in jedem Fall mit der Hand.
  • Suche dir einen Ort, an dem du dich wohlfühlst und wo du wenigstens fünf Minuten Ruhe hast.
  • Atme ein paar Mal tief ein und aus. Und dann leg los.
  • Schreibe alles, was Dir gerade in den Sinn kommt : ungebremst, ohne abzusetzen oder zwischendurch zu korrigieren.
  • Lass die Wörter fließen: in Stichpunkten, ganzen Sätzen oder Reimen

Mach das 5-Minuten-Schreiben zu deinem täglichen Ritual: am frühen Morgen, um aufgeräumt in den Tag zu starten, als Alternative zum Morgenseiten-Schreiben. Nach der Arbeit, um eine ‚Brücke‘ zum Feierabend zu schlagen oder vor dem Zubettgehen, um dich von belastenden Gedanken des Tages zu befreien. Schreib drauflos, wann immer es für dich passt.

Dass sich deine Schreibkompetenz ebenfalls ‚automatisch‘ verbessert, ist die gewünschte Nebenwirkung, die kreatives Schreiben mit sich bringt. Teste es gern in einem meiner Workshops und lerne außerdem die Wirksamkeit ätherischer Öle als Impulsgeberinnen kennen.

 

Foto: lindahughes / Adobe Stock 

Inspiration: Improvisationen zum Kardamom

Getragen sein!

Die Tiefe des Ozeans ist eine traumhafte Welt. Hier gibt es ohne Ende Lichtspiele und viele bunte fließende Wesen. Sie sind in dem Element, in dem sie sein mögen. In ihrer Lebenswelt. Hier ist es sehr verspielt. Niemand kontrolliert was, wo, mit wem und wie gemacht wird. Elegant geht es durch das Wasser. Türkisblau fließend. Der tragende Grund darunter, die Erde. Sie hat vielfältige Oberflächen. Bunt, rund, kantig, rau, porös, samtig und glatt.

Die Pflanzen, sie schwingen im Wasserrhythmus mit. Ich mag hier sehr gerne sein, weil in der Tiefe gibt es auch eine unendliche Weite. Nähe und Distanz heben sich auf. Verlasse ich den einen Ort, komme ich sehr leicht wieder in den nächsten Spielraum.
Immer wieder bunt und zugewandt. Ohne fliegen zu müssen, kommt das Licht des Himmels in diese Welt. Bestrahlt sie in allen Schattierungen.
Es gibt keinen besseren Ort des Seins für mich. Lichtdurchflutet und getragen in Nähe und in Distanz.

© Text und Foto Eva Hoffmann

 

Lebensfreude!

Freude! Der Duft führt mich durch meinen inneren Garten, vorbei an Feldern und Wiesen, hin zu einem Wasserfall.
Schwimmen, Pause, Ruhe und Schlafen in der sanften Sonne, immer umhüllt von diesem besonderen Duft.
Und dann – plötzlich – ich fühle mich ausgeruht.
Steht es da, mein neues Fahrrad?
Habe ich den Mut, aufzusteigen und einfach loszufahren? Egal wohin? Die Freude spüren, die es in mir auslöst?
Ein bisschen schüchtern steige ich auf und dann kann ich es spüren. Den Wind, die Freiheit und die LEBENSFREUDE.
Meine Freiheit befreit auch die anderen – Lust – Freude – Entspannung – machen sich breit.

Text © Heike Wiechers 

Foto Soloviova Liudmyla / Adobe Stock