Weihnachtsengel auf Mission _ von Conny Wenk

Es war einmal ein kleiner Engel, der war im ganzen Himmelreich bekannt und beliebt. Es gab praktisch keine Wolke, auf der man nicht von ihm wusste. Der kleine Engel war fast immer vergnügt und versprühte überall seine gute Laune. Andere Engel, denen es gerade einmal nicht gut ging, brachte der kleine Engel schnell auf andere Gedanken. Wenn er besonders gut gelaunt war, konnte der kleine Engel ein richtiger Komiker sein, der nur Blödsinn im Kopf hatte. Und ehrlich gesagt, das war ziemlich oft der Fall. Seine umwerfende Fröhlichkeit und Lebenslust waren einfach nicht zu bremsen.

Daneben war der kleine Engel auch ein rechter Tollpatsch. An manchen Tagen schien es fast so, als hätte er zwei linke Hände und an beiden zwei linke Daumen. Aber das nahm dem kleinen Engel niemand krumm. Im Gegenteil: Der kleine Engel versprühte so viel Charme und Herzlichkeit, dass er mit seinen schelmischen Augen jeden sofort verzaubern konnte.

Das alles machte den kleinen Engel ziemlich einzigartig. Und so sahen es ihm die anderen Engel auch nach, dass er bei anderen – in der Engelszunft ‚viel wichtigeren‘ Geschäften – nicht der Schnellste war.

Aber daran hatten sich alle mit der Zeit gewöhnt. Es war einfach schon immer so gewesen. Nie hatte es der kleine Engel mit irgendetwas wirklich eilig gehabt. Als andere Engel schon die ersten Flugversuche machten, lag der kleine Engel immer noch auf dem Bauch. Er lernte erst eine ganze Weile später fliegen – aber er lernte es. Und so machte es der kleine Engel mit den meisten Sachen. Und manche Dinge, die ihm entweder zu schwierig oder auch einfach zu langweilig waren, die ließ der kleine Engel halt bleiben.

Eines Tages wurde der kleine Engel zum lieben Gott gerufen, also zum Chef höchstpersönlich. Da bekam es der kleine Engel mit der Angst zu tun. Was könnte der liebe Gott von ihm wollen? Er musste wohl Wind von einem seiner Streiche bekommen haben.

Vielleicht hatte sich der Trompetenengel beschwert, weil der kleine Engel ihm seine Flügel rot angemalt hatte, als er schlief. Aber rot sahen die nun mal viel besser aus. Und zur Trompete passten sie so auch am besten. Der kleine Engel konnte ja nicht wissen, dass dem Trompetenengel rot nicht recht gefiel. Und auch nicht, dass ihn die Flügelreinigung Stunden kostete. Der kleine Engel hatte es ja nur gut gemeint. War es diese Sache?

Oder die Sache mit der blonden Locke, die er einem hübschen Oberengel abgeschnitten hatte? Oder das mit der Harfe, die er sich einmal unerlaubt ein bisschen ausgeliehen hatte und neu stimmen wollte. Oh je, dem kleinen Engel fielen plötzlich ziemlich viele Sachen ein, die ihm den Termin beim großen Boss eingebrockt haben könnten. Aber es half ja alles nichts. Und so machte sich der kleine Engel – ausnahmsweise noch ein wenig kleiner – auf zum lieben Gott.

Der liebe Gott war gerade in einem Meeting und zwar mit dem Weihnachtsmann und dem Christkind. Alle drei machten ein ernstes, ratloses Gesicht und waren schwer am Grübeln. Das Christkind seufzte: „Es wird immer schwieriger, die Erdenkinder mit einem schönen Geschenk glücklich zu machen.“

„Richtig!“ pflichtete der Weihnachtsmann bei, „die haben doch längst alles. Ganz egal was ich bringe, ein paar Minuten und aller Zauber ist verflogen. Und immer öfter gefallen ihnen meine Geschenke gar nicht mehr. Die werden immer unzufriedener.“

„Ach ihr Lieben, das weiß ich doch auch“, erwiderte der liebe Gott, „ich beobachte das schon eine ganze Weile. Mit dem Herzen sieht heute kaum noch einer. Dafür wird umso mehr auf Äußerlichkeiten geachtet – und auf das ein oder andere Statussymbol: das schnellste Auto, das größte Haus, der tollste Urlaub, das meiste Geld. Das Zweitbeste ist meistens schon nicht mehr gut genug“, sinnierte er.

„Genauso ist es“, meinte das Christkind. „Aber das ist noch nicht mal alles.“ Die fragenden Blicke des lieben Gott und vom Weihnachtsmann bemerkend erläuterte das Christkind das ganze Dilemma. „Das Schlimmste ist, dass die Erdenkinder genauso überzogene Ansprüche an sich selbst und an ihre Liebsten stellen. Auch da muss alles wie aus dem Bilderbuch sein. Und wenn nur ein kleines Mosaiksteinchen fehlt, dann ist das Geschrei groß.“

„Ach ja“, sagte der liebe Gott, „mit meinen Erdenkindern ist das wirklich nicht einfach. Ich kann Euch da verstehen. Aber sie haben sich halt einfach allesamt zu sehr selbst unter Druck gesetzt. Und jetzt fangen sie leider an, an diesem Druck zu zerbrechen. Nach außen hin geht es ihnen blendend, alles ist bestens. Aber tief im Innern sind viele einfach nur unglücklich und haben Angst.“

„Aber können die Menschen denn nicht lernen, dass es unendlich mehr im Leben gibt als Intelligenz, Schönheit und Perfektion und dass nicht alles in Geld gemessen werden kann?“, fragte das Christkind. „Sie müssen wieder lernen, mit dem Herzen zu sehen.“

„Du hast ja Recht“, sagte der liebe Gott, „aber was soll ich machen? Ich habe schon einige Botschaften nach unten geschickt. Aber haften ist nicht viel geblieben.“

Erst jetzt nahmen sie den kleinen Engel wahr, der ganz verstohlen neben der Türe stand. Sofort erstrahlten ihre Gesichter und der liebe Gott streckte seine Arme nach ihm aus: „Komm her, du kleiner Engel, ich glaube, wir haben da eine kleine Mission für Dich.“ Stolz wie Oskar strahlte der Engel übers ganze Gesicht: „Für mich?“ Dann fügte er aber gleich in einem etwas nachdenklicherem Ton hinzu: „Aber ich bin doch immer der Langsamste? Sogar auf die Engelsschule durfte ich lange nicht. Ich kann nicht viel, sagt man.“

„Du bist dafür genau der Richtige“, erklärte der liebe Gott. „Mit deinem Lächeln und deinem unwiderstehlichen Charme wirst du eine Helligkeit und eine Wärme in die Herzen der Menschen zaubern, wie es sonst nur die Sonne kann.“

„Wenn ihr meint“, sagte der kleine Engel. Ein wenig mulmig war ihm schon zumute. Was ihn wohl alles erwarten würde. Aber gut, warum auch nicht. Er streckte die Flügel aus, sah sich nochmals kurz um und flog los.

„Ach übrigens“, der kleine Engel hörte den lieben Gott kaum noch, so schnell war er unterwegs, „bleib’ bitte maximal ein Leben – du wirst auch hier oben gebraucht“ rief ihm der liebe Gott nach. „Geht klar!“ rief der kleine Engel zurück.

Wenn ich nur mehr von der Sorte hätte, dachte der liebe Gott. Und lächelte.

Text und Fotos: Conny Wenk 

Fallobst. Eine Liebesgeschichte.

Sie erinnerte sich noch ganz genau an ihr erstes Zusammentreffen. Bevor sie sich überhaupt wahrnahmen, hörten sie einander. Ein dumpfes Klack-Geräusch, dann Stille. Plötzlich noch einmal „Klack“ und ein geräuschloses Kullern über die Erde, bis sie an ihn stieß. Noch ganz benommen von dem Fall in die Tiefe lagen sie also nebeneinander.

Wie konnte das geschehen, dachte sie und sprach es dann auch laut aus. „Wie konnte das geschehen? Eben noch glänzte ich in großer Höhe an meinem Baum und plötzlich konnte ich mich nicht mehr halten und fiel in die Tiefe.“

„Pff“, machte es neben ihr. Und noch einmal „Pff … woher willst du denn wissen, dass du geglänzt hast?“, meinte eine verächtliche Stimme neben ihr. Umgehend antwortete sie: „Siehst Du nicht, wie prall und schön ich bin? Wenn Sonnenstrahlen auf meinen schönen runden Körper fallen, kannst du deutlich das Rot und Gelb meiner Schale erkennen“.

Golden schielte zur Seite. Ging nicht anders, er war unglücklich gelandet. Er musste zugeben, dass sie mehr als passabel aussah. Zumindest das, was er von ihr sehen konnte. „Wie heißt Du?“ Er fragte etwas freundlicher, ließ aber immer noch den Apfelkerl raushängen. Sie ignorierte sein Gehabe und hauchte „Jona“. „Angenehm, Golden. Golden Delicious“.

„Jona Gold“, gab sie zurück. Dann schwiegen sie eine Weile. Ihre kugeligen Körper lagen dicht beieinander, berührten sich aber nicht. „Und … “, durchbrach Golden die Stille, „was machen wir jetzt, Jona Gold?“ Schweigen. Langes Schweigen. Beiden wurde ihre missliche Lage bewusst.

„Hey, hey, ihr da unten?“, ertönte plötzlich eine Stimme.

Jona und Golden riefen fast zeitgleich genervt: „Was?“ Die Stimme antwortete belustigt: „Na, ihr passt ja wunderbar zusammen. Ich sage nur ‚Fallobst‘. Ein Gewirr von Gelächter erfüllte die Obstwiese. Von glockenhell bis brummend war alles dabei, begleitet von dummen Sprüchen der anderen.

Jona wurde sehr traurig und weinte tränenlos. Golden, der – abgesehen davon, dass er ein ganzer Apfelkerl war, der vor Kraft nur so strotzte – ihre Trauer spürte, versuchte sie zu trösten. „Hör nicht hin. Die kriegen auch noch ihr Fett weg. Wirst sehen. Ehe sie sich versehen, werden sie vom Baum gerissen und liegen in einem großen Korb. Und, wer darin verschwand, den hab‘ ich nie wiedergesehen.“

 

Text: anonym 

Fotos: Philip Steury

Orangenduft _ von Kirsten Schwert

Weihnachten ist, wenn es nach Orangen riecht

Ich starrte auf den Bildschirm meines Laptops. Immer wieder fielen mir inzwischen die Augen zu, sodass man hätte annehmen können, ich würde an einem Online-Kursus für autogenes Training oder Schlafoptimierung teilnehmen. Dabei war ich an diesem Tag kurz vor Weihnachten seit Stunden einfach nur auf der Suche nach den schönsten Weihnachtsgeschenken. Doch einfach war eben manchmal doch nicht einfach.

Wohin ich auch scrollte, so viel wie ich auch auf die besten Weihnachtsgeschenke für Männer, für Kinder zwischen zwei und fünf Jahren, für Seniorinnen mit und ohne Zähne, für Menschen, die man am liebsten auf den Mond geschossen hätte oder auf die ultimative Schnäppchenecke klickte, je weniger wusste ich, womit ich meine Lieben denn nun beschenken wollte. Stattdessen ploppte alle gefühlte drei Sekunden ein Werbebanner auf mit der Botschaft:

Wie Sie am schnellsten Ihr Bauchfett verlieren

Doch weder mit noch ohne Bauchfett kam ich meinem Ziel näher. Und dabei hatte ich mir für dieses Weihnachtsfest fest vorgenommen, meiner Familie und meinen Freunden und auch meinen Nachbarn eine besondere Freude zu machen – so wie ich es selbst beim letzten Weihnachtsfest erleben durfte.
Für einen Moment schaute ich auf die Glaskugel, die auf meinem Schreibtisch stand. Es gab nur wenige Dinge, über die ich mich auch jetzt, fast ein Jahr später, so freute wie über diese kleine Kugel und ihre ganz eigene Botschaft. Unwillkürlich lächelte ich. Dann schaute ich wieder auf den Bildschirm voller verheißungsvoller Versprechen.

Was gehörte zu den Dingen, über die sich Menschen wirklich freuten? Glaubte man der Plattform, auf der ich mich gerade befand, musste das Ding auf jeden Fall einen Stecker haben. Oder aber einen leistungsstarken Akku.
Ich war auch schon kurz davor, einen Echo Dot zu kaufen. Und dann wäre Alexa dran: Alexa, was schenke ich meinem Herzensmann? Alexa, was braucht meine Mutter wirklich? Und, Alexa, was schenke ich meiner kleinen Nichte, die von ihren Eltern sowieso alles bekommt?

Alexa, was macht Freude wirklich groß?

Ich bezweifelte, dass Alexa mir helfen konnte, also beschloss ich, mein Weihnachtseinkaufserlebnis traditionell auszuleben. Ich würde in die Stadt fahren. Ich würde mich inspirieren lassen vom richtigen Leben. Sofort fühlte ich mich wieder wach.

Schon eine Dreiviertelstunde später fand ich mich in einem Kaufhaus wieder. Eingehüllt in den Duft von gebrannten Mandeln und Marzipan und der Melodie von Jingle Bells lief ich durch die Abteilungen, als wäre ich auf einem unbekannten Wanderweg: Wo, bitte schön, geht es hier zu den Geschenken, die wirklich Freude machen?

Ich wanderte weiter und weiter. Lichtschwerter. Puzzles mit und mit noch mehr Teilen. Unterwäsche in Mini- und in Übergrößen. Gläser. Bettwäsche mit und ohne Glitzer. Elektrotechnik. Parfum. Beheizbare Tennisschläger. Lichterketten mit Dauer- und mit Wechsellicht . Ich schluckte. Irgendwie war das richtige Leben auch nicht besser.

Dann holte ich Luft, tief Luft.

Ich würde es ja wohl noch schaffen, bei dieser Unmenge an Dingen etwas zu finden, was die Menschen, die ich beschenken wollte, zum Lächeln brachte! Schließlich schien das allen anderen – jedenfalls gemessen an den unendlichen Schlangen an den Kassen – auch zu gelingen.

Ich ließ die Namen meiner Lieblingsmenschen durch meinen Kopf gehen: Womit könnte ich ihnen eine ganz besondere Freude machen? Was könnte eine Weihnachtsgabe für meine Nachbarn sein – ein Geschenk, das sein Dasein nicht als hundertfünfunddreißigster Weihnachtsdekoartikel zukünftig in Keller oder Dachboden fristen würde, sondern wirklich, wirklich Freude schenkte?

Ich seufzte. Ich hatte in den letzten Wochen viel gearbeitet. Da war diese Workshopreihe, die ich selbst entwickelt hatte. Es hatte Spaß gemacht. Viel Spaß. Und ich freute mich über die vielen, vielen guten Rückmeldungen. Allerdings hatte ich mir nicht die Zeit genommen, auch nur ein einziges Geschenk zu kaufen oder mir schon wenigstens einmal darüber Gedanken zu machen. Ich brauchte also noch für viele Menschen eine Weihnachtsgabe.

Wieder dachte ich an das wunderbare Geschenk, das mir ein Unbekannter im letzten Jahr kurz vor Weihnachten vor die Tür gestellt hatte. Die Kugel auf meinem Schreibtisch. Die kleine Glaskugel, in der ich mich selbst spiegelte und die mich mit ihrer Botschaft, auf mich selbst zu schauen, durch dieses Jahr begleitet hatte. Sie hatte mir regelmäßig den Weg zu mir selbst gewiesen. Zu dem, was mir wirklich wichtig war. Zu dem, was ich wirklich wollte. Zu dem, was mich glücklich machte.

Wie gerne würde ich meinen Freunden ein solch wunderbares Geschenk machen! Doch wie würde ich wissen, dass ich es gefunden hatte?
Zweifelnd schaute ich mich um. Rasierschaum, Socken, Schuhe, Koffer, Bücher – dies waren nur wenige der möglichen stecker- und akkulosen Alternativen. Mit Stecker gab es Bohr- oder Kaffeemaschinen, mit Akku I-Pad oder Rasentrimmer. Alexa, hilf, dachte ich. Wahllos griff ich in dem Wühlkorb vor mir nach ein paar Socken mit Rentier.

Dabei schaute ich kurz auf einen Jungen, der auf der anderen Seite des Korbes stand. Er mochte vielleicht elf oder zwölf 12 Jahre alt sein. Er hatte ein rundes, freundliches Gesicht. Mit großen runden Augen. Und er lächelte. Wenn ich mich nicht täuschte, trug er diesen ganz besonderen Ausdruck von Kindern, die das Down-Syndrom haben. Doch da war etwas ganz anderes, das mich irritierte. Der Junge ließ sich weder von dem Mann im Weihnachtsmannkostüm nur wenige Schritte weiter ablenken, noch von all den Dingen, die es hier zu kaufen gab. Seine Aufmerksamkeit schien allein dem Menschen neben ihm zu gelten, den er mit weit geöffneten Augen anschaute.

„Mama“, sagte der Junge nun.

Selten hatte ich dieses Wort in einer solch warmen Betonung gehört. Selten hatte ich so klare offene Augen gesehen.
Der Junge blickte weiter zu seiner Mutter. Ich folgte seinem Blick. Die Frau war vielleicht gut vierzig, sie trug einen Zopf und ein paar Einkaufstüten. Müde, sie sieht müde aus, dachte ich. Gerade zeigte sie auf ein dunkelblaues Halstuch mit goldenen Sternen.

„Ob das deiner Freundin Maja gefallen würde?“, fragte sie nun, ohne den Jungen anzuschauen. Ich hatte den Eindruck, als hätte sie eine solche Frage heute schon öfter gestellt. Willkommen im Club, dachte ich. Immerhin schien ich nicht die einzige zu sein, die etwas verzweifelt durch das Kaufhaus irrte.
„Mama“, wiederholte der Junge.

Der Blick der Frau war noch immer bei den Socken und Tüchern, die aus dem Korb quollen. Und dann sagte sie, mit einem Blick auf die Uhr, die neben der Rolltreppe hing: „Wir müssen uns beeilen. Wir müssen zum Bus. Ich muss auch noch etwas zu essen machen. Und dann auch noch die letzte Weihnachtspost. Und die Wäsche wartet noch.“
Mehr als Müdigkeit, dachte ich und schluckte. Zu gut erinnerte ich mich an ein Jahr, in dem ich mich selbst immer nur müde gefühlt hatte. So viele Aufgaben. So viel zu tun.

Der Junge zupfte am Mantel seiner Mutter. Sein Blick führte noch immer zu ihren Augen. Und jetzt, jetzt endlich blickte die Mutter auch ihn an.
Der Junge erhob seine Stimme: „Ich möchte dir etwas sagen, Mama. Etwas ganz Wichtiges.“
„Was ist denn so wichtig?“ fragte die Mutter. Ihre Augen begegneten sich. Und dann, in diesen Augenblick, sprach der Junge:

„Du bist so schön, Mama“, sagte er mit seiner hellen, klaren Stimme. Dabei lächelte er auch jetzt. Nein, er strahlte. Er strahlte, als hätte er gerade das schönste Weihnachtsgeschenk überhaupt bekommen. Und dann drückte er seinen Kopf an ihre Schulter.

Ich schluckte schon wieder und kam mir vor wie jemand, der an der Tür lauschte. Doch ich konnte nicht anders. Ich blieb stehen und schaute weiter zu der kleinen Familie. Und trotz des Gewirrs um mich herum, trotz der penetranten Töne irgendwelcher Weihnachtslieder hatte ich das Gefühl, dass es nur noch das hier gab. Diese Weihnachtsbegegnung hier im Kaufhaus, vor einem Korb voller Stoffwaren.

„Danke“, hörte ich nun die viel leisere Stimme der Mutter. Und noch einmal, etwas lauter: „Danke, mein Schatz.“ Bei ihren Worten begann auch sie nun zu lächeln und es schien, als färbte die Freude ihr Gesicht, als fiele die Erschöpfung von ihr ab, als gäben dieser einzige Satz, diese wenigen Worte des Jungen ihr die Leichtigkeit des Tages zurück. Ich sah, wie sie ihren Rücken streckte und Luft holte. Und dann bückte sie sich zu dem Jungen, schaute ihm in die Augen und sagte:

„Weißt du was, ich glaube, Maja braucht gar kein neues Halstuch. Was hältst du davon, wenn wir statt Geschenken schon heute die Orangen kaufen?“
„Ja!“, rief der Junge begeistert, „ja, bitte!“. Dann hob er seine Arme neben sich wie die ausgebreiteten Flügel eines Engels und schaute seine Mutter mit seinen großen runden Augen an, als hätte er schon wieder etwas Wichtiges zu verkünden und sagte:

„Dann wird schon jetzt Weihnachten. Weihnachten wird, wenn es nach Orangen riecht.“

Und dann lachte er und die Mutter lachte auch, beide lachten laut, so laut, dass der Weihnachtsmann ein paar Schritte weiter fast seinen Text vergaß.
Als die beiden schon längst nicht mehr zu sehen waren, hielt ich noch immer die Socken mit eingestricktem Rentier in der Hand. Noch immer hörte ich die Stimme des Jungen. Noch immer sah ich diesen Blick, mit dem er die Mutter angeschaut hatte. Und dann, als hätte er genau gewusst, was seine Mutter jetzt am dringendsten brauchte, dieser Satz:

„Du bist so schön, Mama.“

Und dann: Das Strahlen in seinem Gesicht. Das wie ein Zauber plötzlich auch das Gesicht der Mutter färbte. Ich legte die Socken samt Rentier zurück in den Korb. Plötzlich wusste ich, was ich verschenken wollte. Plötzlich wusste ich, was es war, das Freude wirklich groß machte. Der Junge, dieser kleine Junge, hatte es mir vorgemacht.
Und wieder einmal war es einfach. Warum war ich nicht selbst längst darauf gekommen?
Der Junge hätte quengeln, die Mutter zu den Spielzeugen ziehen, seine eigenen Wünsche nach oben legen können, doch stattdessen hatte er seine Mutter angeschaut. Wirklich angeschaut. Und dabei hatte er gesehen, was für diesen anderen Menschen hier gerade, zwischen all dem, was man tun möchte oder muss, wirklich wichtig war. Und hatte ihr dann genau das gegeben. Einen Moment der Anerkennung, eingehüllt in wunderbare Kinderworte.
Das Geschenk, das Freude wirklich größer machte:

Einen Menschen anschauen.

Wirklich anschauen. Absehen von den eigenen Bedürfnissen. Absehen vom eigenen Glück. Und dann dem Menschen geben, was er am allermeisten braucht. Das, was gerade möglich ist.

Ich hatte in diesem Jahr vor allem auf mich geschaut. Ich hatte in mich hineingehört, was mir selbst wichtig war. Weil ich das viel zu oft vergessen hatte. Ich hatte mehr von dem getan, was mir Freude machte. Dieses Jahr war mein Jahr gewesen und ich war glücklich darüber.

Doch hatte ich dabei zugleich genügend die Menschen um mich herum gesehen? Hatte ich immer wieder innegehalten, um einen Menschen so anzuschauen, wie es der Junge mit seiner Mutter hier im Kaufhaus gemacht hatte? Hatte ich bei meiner Weihnachtseinkaufsaktion versucht zu spüren, was meine Eltern, meine Freunde gerade vor allem brauchten? Hatte ich hingeschaut, was wichtig war, wirklich wichtig war für meine Nachbarin? Wusste ich, was wichtig war für meine Nichte? Und was ich ihr davon geben könnte?
Beim Gedanken an Lara grinste ich. Ich hatte so eine Ahnung, was sie selbst dazu sagen würde.
Meine Nichte würde sagen: Fußball. Spiel mit mir Fußball. Du weißt ja, Mama und Papa finden Fußballspielen blöd. Aber für mich, für mich ist es der Himmel. Und dann würde sie ihren Ball holen und strahlen, wie der Junge vorhin seine Mutter angestrahlt hatte.

Und ich selbst? Ich selbst würde wahrscheinlich auch strahlen. Weil ich ohne meine Nichte wahrscheinlich nie erlebt hätte, wie es ist, wieder Kind zu sein.
Anschauen verändert. Ich konnte wie der Junge allein mit meiner Offenheit für den anderen dafür sorgen, dass Freude einfach größer wurde. Mit einem Fußballspiel. Mit einem Lächeln oder einem Wort, das dem anderen galt. Und vielleicht noch mit ganz anderen einfachen Gesten der Gegenseitigkeit. Dabei war ich mir sicher, dass ich spüren würde, was ich dem anderen von mir selbst geben konnte. Und ich wusste auch schon, wer mir dabei helfen würde. Mit einem großen, breiten Lächeln verließ ich das Kaufhaus.
Wieder bei mir zuhause, schaltete ich meinen Laptop aus. Ich brauchte ihn nicht mehr. Jedenfalls nicht, um auf die schönsten Weihnachtsgeschenke zu stoßen.

Mein Weihnachtsgeschenk.

Einen Menschen anschauen. Innehalten beim anderen. Und dann spüren, was ich diesem Menschen geben konnte, um seiner Welt mehr Lächeln zu geben.
Für diese Weihnachtsgabe brauchte ich weder eine Online-Plattform noch ein Kaufhaus. Ich brauchte nur mich und einen offenen Blick für die Welt. Und doch war ich mir sicher: Ich hatte eins der schönsten Geschenke gefunden, das man einem anderen Menschen und sich selbst machen konnte.
Und, auch wenn noch gar nicht Weihnachten war, konnte ich schon heute beginnen, es zu verschenken. Weil anschauen immer geht.
Und zu Weihnachten selbst? Auch das hatte mir der Junge gezeigt: Zu Weihnachten würde ich allen eine Orange schenken. Weil Weihnachten wird, wenn es nach Orangen riecht. Eine Orange von einer Hand in die andere geben und Weihnachten werden lassen. Weil Weihnachten selbst das größte Geschenk war. Ich lächelte.

Und dann ging ich zu meinem Schreibtisch. Nun hatte ich noch etwas ganz anderes zu tun. Behutsam nahm ich meine Glaskugel in meine Hände. Wie immer spiegelte ich mich darin. Wie immer erinnerte sie mich daran, bei mir zu sein. Und gleichzeitig, wenn ich sie weit genug von mir hielt: Das Leben um mich herum:

Der Spiegel dieser Welt.

Es war wichtig, bei mir zu sein. Und genauso wichtig, beim anderen. Innen und außen. Beides, beides gehörte einfach zusammen. Diese Kugel hatte mir geholfen, mich selbst zu sehen. Sie würde mir ebenso helfen, das Ganze zu sehen. Langsam ging ich mit meiner Kugel zum Fenster. Hier sollte sie ihren neuen Platz bekommen. Hier konnte sie einfangen, was außer mir noch war. Ich und du. Ich und wir. Ich und ihr. Ich und die Welt.

In meinem Geist sah ich noch einmal diesen Jungen. Ich sah seine großen Augen, die nichts anderes suchten als die Augen seiner Mutter. Ich sah diesen kleinen Jungen mit seinen ausgebreiteten Engelsarmen, der wusste, was Freude wirklich brauchte.
Und jetzt, jetzt würde ich in die Küche gehen und eine Orange essen. Weil Weihnachten wird, wenn es nach Orangen riecht.

Eine Geschichte von Kirsten Schwert

Romea und Julio _ Kurzkrimi von Gitta Wittschier

Wo ist eigentlich der alte Puppenwagen abgeblieben? Bea stellt sich diese Frage zum wiederholten Mal. Ihrem vielgeliebten Puppenpärchen aus Schildkröt hatte das antike Vehikel als Unterkunft gedient. Ein Puppenwagen aus Korb, mit gewölbtem Dach, Spitzenvolants und verschnörkeltem Griff. Romea und Julio, so mussten die beiden unbedingt heißen. „Verkehrte Welt der Namen“, hatte ihre Mutter damals bemerkt. Doch sie, Bea, war begeistert von dieser Version. Sollten doch beide kein tragisches Liebespaar darstellen, eher das Gegenteil. Und auch sie wollte die Liebe ihres Lebens finden, in ihren Bann ziehen. Dachte sie.

Romea und Julio haben einen Ehrenplatz im Gästezimmer. Seit so vielen Jahren schon. Sie sind übriggeblieben von einer umfangreichen Sammlung an Puppen, all die anderen längst verkauft oder verschenkt. Bea schmunzelt kurz, hängt dann wieder ihren Gedanken nach. So viele Sachen zum Anziehen hat sie dem Pärchen genäht. Romea hat gar ein pinkfarbenes Minikleid und Julio einen Smoking. Fein als Ausgehpaar. Doch manchmal scheint es so, als würden beide traurig dreinschauen. Immer dann, wenn es ihr selbst nicht so gut geht.
Julios Augen, so sieht es aus, sind wässrig. Romeas Grübchen wirken dann so wie andersrum. Vom Lächeln abgewandt.

Doch der Puppenwagen ? Er scheint unauffindbar, auch nach so vielen Suchaktionen. Dabei gehört er doch unbedingt dazu.
Bea überlegt. War es nicht Dirk, der den Puppen und ihrem Domizil zunächst skeptisch, dann sogar spinnefeind gegenübergestanden hatte? „Wie kann man solch ollen Kram toll finden. Und dann diese Namen. Ätzend“. Bea war zusammengezuckt. Kaum merklich.
Sie hatte längst schon gespürt, dass kaum noch etwas stimmte zwischen ihnen. Routine, Alltagsleben? Gewiss, all das konnte dazu beitragen. Aber da war noch dieses fast allabendliche Fernbleiben. Mit Überstunden nicht mehr zu entschuldigen.
Dann die Sache mit Cindy. Ihre Tochter war in eine andere Welt hinübergeglitten. Alles wegen Flo. Der Sohn von Andreas, dem Erzfeind von Dirk.

Ausgerechnet. Dabei waren beide früher mal eng befreundet, hatten auch eine Tippgemeinschaft. Ein Lottogewinn, die unauffindbare Quittung des Lottoscheines und der Verdacht, dass Andreas sie an sich genommen und das Geld an Land gezogen hatte.
„Luuucinda“. Dirk nennt seine Tochter immer dann beim richtigen Namen, wenn er total sauer ist. „Wenn ich dich und diesen Florian noch einmal erwische“…“Was ist denn dann?“ Cindy baut sich vor ihm auf, blickt ihn provozierend an. Dirk will mit der Hand ausholen, doch Bea stellt sich ihm in den Weg. „So weit kommt es hier noch. Es ist wohl am besten, wenn du zunächst mal gehst und ein paar Gänge runterschaltest“. Dirks Blick verheißt Blitz und Donner zugleich. Seine Miene scheint sekundenlang festgefahren. Doch er wendet sich ab, läuft die Stufen hinunter in den Keller.

In der Metaxaflasche ist nur noch ein kleiner Rest. Dirk stiert vor sich hin, will die Faust ballen, doch die Hände wollen ihm nicht richtig gehorchen. Andreas die Hölle heißmachen, ihm ein paar verpassen? Nun , dieser Tatendrang verschwindet schnell hinter einer Nebelwand. Immer wieder. Das Sofa hier im Kellerraum bietet stabilen Untergrund, lässt jeden Gedanken ans Aufstehen ins Wanken geraten.
„Habe ich wohl alles eingepackt?“ Cindy überlegt. Diese Stimmung hier ist einfach nicht mehr zum Aushalten, verursacht bei ihr ständig Bauchweh. Flo kann auf seinen Vater pochen, er will beiden helfen, zurechtzufinden. Und sowieso nur noch ein paar Wochen, dann hat sie offiziell alle Entscheidungsfreiheit. Sie greift nach ihrem Trolley, platziert den Brief für Bea auf ihrem Bett. Schleicht sich hinaus, wo sie in Flos Armen landet.

„Ach, sei doch still. Wer hat sie denn aus dem Haus getrieben mit seinen ewigen Meckereien und seinem herrischen Getue? Und wo sie ist, weiß ich auch nicht. Und würde dir das auch bestimmt nicht verraten. Und außerdem ist sie bald volljährig“. „Wen interessiert das schon. Wenn dieser Andreas mir nicht endlich alles erzählt, werde ich mit Sicherheit zum Killer“. „So erfährst du ganz bestimmt, wo Cindy und Flo sind. Und auch, ob du überhaupt noch an das Geld kommen kannst“.
Dirk greift sich an die Schläfe, schweigt wenige Sekunden, ringt sich ein Lächeln ab. „Vielleicht hast du recht, Schatz“, flötet er, „und ich weiß auch, dass unsere Gemeinsamkeit in letzter Zeit viel zu kurz gekommen ist. Aber ich will rausfinden, ob sich Andreas wirklich den Lottogewinn reingezogen hat“. Dirk streicht Bea über den Arm, wendet sich um, seine Schritte verklingen in Richtung Terrasse und Garten.
Von wegen. Mit der Alten nochmal anfangen? Gewiss nicht. Die wird jede Woche unpässlicher und unansehnlicher. Wie ‚ne Planschkuh. Dirk lacht laut auf, fasst sich dann an den Mund. Was merken soll sie ja nicht. Und geschnallt hat sie sicher nicht, dass Sibylle seine neue Favoritin ist.

Sibylle oder Billie, die Frau von Andreas, hatte in ihm lange schon Feuer entfacht. Und nun konnte er vielleicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zunächst diese naive Bea loswerden, in ihm war ein Plan gereift. Und Billie – nun, kommt Zeit, kommt Rat. Sie, ganz Expertin in Sachen Angebereien, hatte ihm von Rücklagen erzählt, die ganz enorm sein sollten. Was konnte das wohl sein? Aber zurück zu Bea. Diesen schrecklichen Puppenwagen hatte er gut versteckt, der konnte ihm vielleicht noch von Nutzen sein.

Bea legt die Schaufel kurz zur Seite, lehnt sich an den Kirschbaum. Zeit hat sie genug, jetzt am Wochenende. Außerdem bietet ihr Haus direkt am Waldrand so gut wie gar keine Einblicke, ebenso der Garten. Sollte dennoch jemand aufmerksam werden, kann er dennoch nicht haargenau darauf schließen, was sie im Garten zu tun hat.

Wohl ist ihr nicht gerade, doch diese Maßnahme musste einfach sein. Dirk war angetrunken, als er den völlig zerstörten Puppenwagen direkt vor ihre Füße knallte. Als sie sich hinunterbeugte, legte er die Hände um ihren Hals. „Der Kirschbaum wird weit über dir stehen, die Erde darunter ist dein neues Zuhause“, hatte er ihr zugeraunt. Sie konnte ihn abwehren, er stürzte, lag am Boden und rührte sich nicht. Er schien sich verletzt zu haben, Blut tropfte aus einer Wunde, bahnte sich einen Weg zum zerrissenen Volant des Puppenwagens. Doch er atmete noch, ihr Griff zur schweren Bodenvase war unumgänglich… Notwehr oder nicht? Egal, es wird getan, was getan werden muss.

Romea und Julio sitzen auf der Fensterbank. Beginnen plötzlich, ihr zuzulächeln. Aufmunternd, so scheint es Bea. Nun, sie kennt das ja. Fragt sich allerdings, ob sie nicht längst zur Marionette geworden ist. Doch nein, beruhigt sie sich, jetzt hat sie ihr Leben wieder im Griff.
Wohin nun mit dem blutbehafteten Puppenwagen? Am besten ist, noch ein Loch zu schaufeln und ihn verschwinden zu lassen. Eine Kraftanstrengung mehr, die gilt es aber in Kauf zu nehmen.

Wenn Bekannte später fragen, wird sie erwidern, dass sie sich von Dirk getrennt hat und er fortgezogen ist. Mit Billie, das können alle glauben. Denn die ist abgehauen, soll einen Batzen Geld mitgenommen haben. Und ihr Techtelmechtel mit Dirk war kein Geheimnis mehr. Cindy und Flo leben mittlerweile weit weg. Werden wohl von Andreas unterstützt. So hat die ganze Schwindelei mit dem Lottogewinn doch was Gutes.
Bea betritt das Gästezimmer. Romea, scheint es, lächelt sie lieb an. Julio blickt warmherzig aus dunklen Augen.

„Von Papa habe ich nie wieder etwas gehört. Irgendwie unwahrscheinlich, dass er sich so abrupt von Mama getrennt hat. Wir haben uns ja noch einige Male gesehen, sie wirkte immer so abwesend, oft verschreckt. Dann diese Depressionen, naja, den Rest kennst du ja“. Lucinda lehnt sich an Florian, er zieht sie tröstend an sich. Nach Beas Tod sind beide in Lucindas Elternhaus zurückgekehrt, durchwandern den Garten.

„Dafür hat uns Dad so prima geholfen“. Florian blickt Lucinda an, sie nickt zustimmend. „Finanziell war der immer auf der Höhe. Ob was dran war an dem Lottogewinn. Naja, soll sein Geheimnis bleiben“.
Lucinda blickt zur Fensterbank. Ach ja, die alten Puppen, Romea und Julio. Bea hat sie zurückgelassen. Obwohl eigentlich damit zu rechnen war, dass sie beide mitnehmen würde ins Grab.

Was ist das? Lucinda glaubt, nicht richtig zu sehen. Beide Puppen zwinkern ihr zu, lächeln. Doch im nächsten Augenblick wieder die vertrauten Mienen. Ach, denkt sie, ich scheine Gespenster zu sehen. Dreht sich nach Florian um.
Der stolpert plötzlich, stürzt beinahe. Entdeckt dann, dass etwas aus der Erde unter dem Kirschbaum ragt. Er kniet sich hin und betrachtet den Störfaktor. Es ist eine Lenkstange oder ein Haltegriff, verschnörkelt, wie der Griff eines alten Puppenwagens.

Text: Gitta Wittschier, Bünde